Die Echte ENGELWURZ
oder
Die Verbindung zwischen Himmel und Erde
Der achtsame Weg zu einer traditionell zubereiteten Tinktur
Angelica archangelica. Brustwurz. Angstwurz.Bereits ihre Namen lassen ihre mächtigen Wirkungen erahnen.
31. Oktober 2025. Die Sonne strahlt golden. Heute ist es soweit, ich spüre, der Zeitpunkt zum Graben der Engelwurz ist gekommen. Der Oktober ist ja der traditionelle Monat zum Wurzelgraben - die Kräfte der Pflanzen ziehen sich in die Wurzel zurück.
Seit dem vorigen Sommer beobachte ich die Engelwurz in meinem Garten wachsen, zuerst nur ein kurzer runder Stiel mit einem 3geteilten Fiederblatt. Ich war mir unsicher, welches Pflänzchen sich hier ohne mein absichtliches Anpflanzen in meinem Hochbeet hervorwagt. Ich muss wohl Samen von einem Kräuterausflug mitgebracht haben, die sich hier wohlfühlen.
Im Frühjahr wuchsen die Fiederblätter weiter - eindeutig: in meinem Garten wachsen 3 Exemplare der Echten Engelwurz!! Ich fühle mich zutieftst geehrt, dass sich diese göttliche Pflanze freiwillig bei mir ansiedelt. Denn jedem Kräuterkundigen ist klar: keine Pflanze kommt zufällig.
Eine der 3 Engelwurzen grabe ich heute und verarbeite sie zu einer Tinktur. Die anderen beiden dürfen im nächsten Jahr blühen und fruchten. Dann ist ihr zweijähriger Lebenszyklus zu Ende.
Mit großer Achtsamkeit gehe ich ans Werk, ich versuche mit bloßen Händen und einem Holzstock zu graben, aber sie ist zu tief verwurzelt, ich brauche doch eine Metallschaufel. Etwas marsische Energie hält sie wohl aus, sie besitzt ja selber genug davon!
Die schweißtreibende Arbeit ist erfolgreich: vor mir liegt eine dicke rübenförmige Pfahlwurzel. Wie es meine FNL-Kursreferentin Monika gelehrt hat, säubere ich die Wurzel ohne Wasser, dafür wird sie gründlich abgebürstet - einmal, zweimal, dreimal.
Das Glas stelle ich an einen Platz in die Küche, der nicht von der Sonne bestrahlt wird, den ich aber täglich im Blick habe. Um eine ordentliche Extraktion zu erreichen, rühre ich täglich mit einem Holzstab um. Dabei sind meine Gedanken ausschließlich auf die Engelwurz fokussiert. Ich bin überzeugt, dass diese besondere Zuwendung meinem Heilmittel eine feinstoffliche Dimension gibt, die man durch industrielle Herstellung niemals erreichen kann.
12.Dezember 2025. Nach 6 Wochen ist es nun Zeit zu filtrieren, ich benutze einen Kaffeefilter, die Wurzeln quetsche ich am Schluss noch ordentlich aus um ja keinen Tropfen des wertvollen Elixiers zu verschwenden.
Sie schmeckt richtig kräftig - eine Kombination aus holzig- erdenem Geschmack mit leicht bitter-scharfer Note.
Wozu verwende ich nun diese wertvolle Tinktur?
Nervenstärkung und allgemeines Tonikum: besonders in Verbindung mit Kältegefühl und niedrigem Blutdruck, gibt Kraft nach Krankheiten und bei Erschöpfungszuständen
© Sabine Lassner 2026





